Corona in Baden-Württemberg
„Booster“-Quote in Pflegeheimen ist geringer als erwartet

Corona in Baden-Württemberg „Booster“-Quote in Pflegeheimen ist geringer als erwartet

Quelle: Felix Kästle

Immer wieder kommt es in Pflegeheimen zu Corona-Ausbrüchen wie zuletzt in Rastatt und Gaggenau. Das könnte auch an den Impfquoten liegen. Denn die sind ernüchternd, wie eine Umfrage zeigt.

In den baden-württembergischen Alten- und Pflegeheimen haben bislang deutlich weniger Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten als gehofft. Nach einer Auswertung des Landesgesundheitsamtes (LGA) für das Sozialministerium hatte zum Jahresende jeder dritte Heimbewohner noch keine sogenannte Booster-Impfung. Da die Quote der zum dritten Mal Geimpften nur bei 68 Prozent lag, hat Sozial- und Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) an die Einrichtungen appelliert, die Impfangebote besser zu nutzen. «Jede und jeder noch Zögerliche und Unentschlossene, den wir für eine Impfung gewinnen können, ist in meinen Augen die Anstrengung wert», sagte er. In Rheinland-Pfalz lag die Booster-Quote in den Heimen nach Angaben des Südwestrundfunk (SWR) bei 85 Prozent.

Zuletzt hatte ein Fall in einem Rastatter Seniorenheim mit 13 Toten für Aufsehen gesorgt. Keiner von ihnen hatte nach Angaben des Landratsamtes eine Booster-Impfung. Manche seien keinmal, andere ein- oder zweimal geimpft gewesen. Lucha wird am 17. Januar (11.30 Uhr) im Sozialausschuss Rede und Antwort stehen müssen. Die SPD hat nach eigenen Angaben von Mittwoch eine Sondersitzung einberufen.

Nach Angaben des Ministers ist die Zahl der Berichte über Todesfälle in baden-württembergischen Alten- und Pflegeheimen gestiegen. Die meisten davon seien nicht oder nicht vollständig gegen Covid-19 geimpft, argumentierte Lucha in einem Schreiben an die Einrichtungen weiter. Bei den Beschäftigten lag die Quote der Geboosterten laut LGA noch deutlich unter dem Wert der Bewohner: Nur etwas mehr als jeder dritte Mitarbeitende (37 Prozent) hat bisher eine Auffrischungsimpfung erhalten. Zuerst hatte der SWR über den Appell des Ministers berichtet.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums und des LGA von Mittwoch wurden seit Mitte Dezember 2021 in Baden-Württemberg 39 Corona-Ausbrüche mit insgesamt 411 Fällen aus Einrichtungen der stationären Altenpflege an das Landesgesundheitsamt übermittelt. 21 Bewohner seien am oder im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

Zu den Gründen für die Quote kann auch das Ministerium nur spekulieren. «Denkbar sind zum Beispiel akute Erkrankungen verbunden mit längeren Krankenhausaufenthalten oder eine Verschlechterung des Allgemeinzustandes sowie persönlichen Ablehnungen», teilte das Ministerium mit. Wichtig sei vor allem, dass dennoch alle Impfwilligen in den Einrichtungen ein Impfangebot bekämen. «Der dafür notwendige Impfstoff steht in ausreichender Zahl zur Verfügung», betonte Lucha.

Die Evangelische Heimstiftung sieht zumindest keine Verweigerungshaltung in den Heimen: «Es gibt bei uns kaum einen, der sagt, er wolle nicht», sagte die Sprecherin des größten diakonischen Pflegeunternehmens in Baden-Württemberg, Alexandra Heizereder. Es liege sehr oft daran, dass die Bewohner wegen später zweiter Impfungen oder aus anderen Vorgaben nicht geboostert werden könnten. Nach ihrer Einschätzung steigen die Quoten bei Bewohnern und Beschäftigten weiter.

SPD-Fraktionschef Andreas Stoch forderte dagegen mit Blick auf die Zahlen, «alle verfügbaren mobilen Impfteams in die Pflegeheime zu schicken und unsere Verletzlichsten jetzt sofort vor der Omikron-Welle schützen». Es sei nicht nachvollziehbar, dass aktuell jeder dritte in Pflegeheimen Lebende nicht mit einer Booster-Impfung geschützt sei.

Das LGA hatte für die Umfrage Daten aus 1495 Einrichtungen in die Auswertung zur Impfquote bei Beschäftigen und 1532 in die Auswertung zur Quote bei Betreuten aufgenommen. Demnach hatten von den 82 648 betreuten Menschen 75 375 (91,2 Prozent) den vollständigen Grundschutz, der in der Regel mit der zweiten Impfung erreicht wird, aber etwa gegen die Omikron-Variante nicht ausreicht; bei den Beschäftigten waren es 72 115 oder 81,6 Prozent. Allerdings lagen diese Werte – auch bei der Booster-Impfung – über den Quoten in der gesamten Bevölkerung, teilte das Amt mit. Etwas mehr als 11 000 oder 12,5 Prozent der Mitarbeitenden sind nicht geimpft.

 

Weitere Nachrichten

Laut Verband: Mehr Ausbildungsverträge im Handwerk abgeschlossen

Maurer, Bäcker, Fleischerin: Das Handwerk lockt wieder mehr Nachwuchs. Welche Ausbildungsplätze haben 2025 besonders stark zugelegt?

140.000 Fahrzeuge pro Tag: Engelbergtunnel Richtung Karlsruhe nun einspurig befahrbar

Für die staugeplagten Orte rund um den wochenlang gesperrten Engelbergtunnel gibt es eine erste Entlastung: Der Verkehr auf der A81 läuft vorerst wieder auf einer Spur.

Nach dem Unglück in der Schweiz: Wie sicher sind eigentlich Seilbahnen?

Einen Tag nach dem Seilbahn-Unglück in der Schweiz ist die genaue Ursache unbekannt. Klar ist aber: Die Vorschriften sind sehr streng und solche Unglücke kommen nur selten vor.

Regierungsbildung in BW: Sondierungsgespräche zwischen Grünen und CDU deuten sich an

Nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg ist nur eine Koalition zwischen Grünen und CDU realistisch. Bislang schweigen sich beide Parteien weiter aus. Nun scheint es Bewegung zu geben.

Bärlauch sammeln: Was erlaubt ist und wann Bußgelder drohen

Im Frühling lockt Bärlauch viele Sammler in die Natur. Wer aber zu gierig pflückt oder an den falschen Stellen zugreift, riskiert nicht nur Ärger mit der Natur, sondern auch ein saftiges Bußgeld.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.