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Frisch von der Kino-Leinwand
meinKA-Filmkritik – Trautmann | „Eine wahre Heldengeschichte“

Frisch von der Kino-Leinwand meinKA-Filmkritik – Trautmann | „Eine wahre Heldengeschichte“

Quelle: SquareOne Entertainment

Immer donnerstags beginnt eine neue Kino-Spielwoche und bringt frische Filmstarts mit sich. Gemeinsam mit dem Filmpalast am ZKM, hat sich meinKA einen ausgewählten Film bereits vorab angeschaut und verrät, ob sich der nächste Kinobesuch lohnen wird.

Darum geht’s – Filmvorstellung – Trautmann

Die reale Erfolgsgeschichte von Torwart Trautmann, dient im gleichnamigen Film, als Vorlage des Drehbuchs. Bernhard Carl „Bert“ Trautmann wurde im Jahr 1923 in Bremen geboren und wird 1940 zur deutschen Wehrmacht des Zweiten Weltkriegs eingezogen. Mit dem Kriegsende beginnt für Trautmann zunächst die britische Kriegsgefangenschaft, nahe Manchester, bevor sein Talent im Fußballsport entdeckt wird. Fortan spielt Trautmann bei einem Provinzverein in St. Helens, wo sich der Deutsche in Margaret, die Tochter des Trainers verliebt. Die sportliche Karriere des deutschen Torwarts beginnt, als er kurze Zeit später vom Erfolgsverein Manchester City engagiert wird.

Hier trifft Bert Trautmann allerdings zunächst auf Entrüstung und Protest – denn einen „Nazi-Torwart“ dulden die englischen Fans nicht. Doch spätestens mit dem historischen FA-Cup-Finale zwischen Manchester City und dem FC Birmingham am 05. Mai 1956, bei dem Trautmann vor über 100.000 Fußballfans im Londoner Wembley-Stadion, seiner Mannschaft einen spektakulären Sieg sichert, ist der deutsche Torwart in den Herzen der ManCity-Anhänger angekommen.

Was während des Spiels keiner ahnt: Bernd Trautmann spielt ab der 70. Minute des Matchs mit einen gebrochenen Halswirbel – nachdem diese Verletzung an die Öffentlichkeit kommt, feiert ganz England den zuvor öffentlich als Nazi beschimpften Torwart. Doch auf die Heldengeschichte folgt ein tragischer Schicksalsschlag.

 

Film Trautmann | Quelle: SquareOne Entertainment

 

Filmrezension – „Historie trifft auf Jetzt“

Der legendäre deutsche Torwart Bernhard Carl „Bert“  Trautmann ist am 19. Juli 2013 im Alter von 89 Jahren gestorben und konnte auf ein ereignisreiches Leben samt erfolgreicher Profikarriere zurückblicken. Als junger deutscher Kriegsgefangener in England, gelang es ihm, das ganz England den zunächst als „Nazi-Torwart“ verschmähten Sportler, als Helden feierte. Im Film Trautmann, produziert von Marcus Rosenmüller, wird das Leben Trautmanns thematisiert und in eine politischen Kontext gestellt. Bert Trautmann wird vom Schauspieler David Kross verkörpert, der bereits in vielen Kinofilmen, wie Die Vermessung der Welt von Detlev Buck oder Steven Spielbergs Gefährten zu sehen war.

Kross spielt die Trautmann-Rolle den ganzen Film über, auch wenn dieser mehrere Zeitpunkte seines Lebens behandelt. Das fortschreitende Alter sieht man der Figur dabei nicht an – auch die weiteren Hauptfiguren sind mit jeweils einem Schauspieler besetzt, denen das Alter nichts an zu haben scheint. Einzig die Rolle der Margaret, verkörpert von Freya Mavor, spiegelt durch eine optische Veränderung der Haare und der Kleidung, die im Film verstrichenen Jahre, wider. Eine Ausnahme dieser Beobachtung stellt das Heranwachsen des gemeinsamen Sohnes von Bert und Margaret Trautmann dar.

 

Bert und Margaret Trautmann | Quelle: SquareOne Entertainment

 

Traumatische Kriegserinnerungen

Wie bereits erwähnt, thematisiert Trautmann eine größere Zeitspanne – konkret lässt sich nicht erahnen, in welchem Jahr das Filmende spielt, doch grob umfassend kann gesagt werden, dass der Film im Jahr 1940 beginnt und mindestens bis in das Jahr 1956 hinein reicht. Die Erzählstruktur beinhaltet achronologische Sequezen, neben der chronologisch erzählten Rahmenhandlung, welche die Kriegsgefangenschaft, das Liebesglück und die Fußballer-Karriere abarbeitet, besteht die Binnenhandlung aus Rückblenden in die Kriegserlebnisse Trautmanns. Diese Erlebnisse sind traumatischer Art und verfolgen den Sportler wie Schatten aus der Vergangenheit.

Die lebhafte und teils verspielte Art der Kameraführung gibt dem Zuschauer die Möglichkeit verschiedene Perspektiven und Emotionen des Film wahrzunehmen. Hier wird mit klassischen Kameraperspektiven aber auch teilweise aus der Sicht verschiedener Filmfiguren oder Blickwinkel gearbeitet. Der Film ist zudem mit viel Liebe zum Detail gestaltet, was bei einem Werk, das eine vergangene Zeit behandelt, natürlich eine Grundvoraussetzung sein sollte. Dennoch ist dieses Attribut bei Trautmann, sowohl durch akkurate und zeitgemäße Kostüme, Frisuren und eine natürliche Maske, als auch durch passende Requisiten positiv zu erwähnen.

Hierzu zählen zudem die englischen Schauplätze, auf denen sich das Filmgeschehen bewegt sowie die Musik des Films, welche ebenfalls den musikalischen Stil der 1950er Jahre aufgreift. Originale Filmaufnahmen in schwarz-weiß werden dem Zuschauer beispielsweise aus dem Jahr 1956, während des im Film dargestellten FA-Cup-Finales, präsentiert, was den historischen Charakter von Trautmann nochmals verstärkt.

 

Historische Requisiten und Kleidung in „Trautmann“ | Quelle: SquareOne Entertainment

 

Historie mit aktuellem Bezug

Trautmann ist ein Film, der mehrere Genres umfasst. Grundsätzlich wird die Biografie des Bert Trautmanns sowie dessen sportliche Karriere erzählt. Da diese allerdings in einer politisch schwierigen Zeit, vor dem Hintergrund des Zweiten Weltkriegs, stattfand, ist der historische Bezug nicht auszuklammern. Zusätzlich beeinflusst das Liebesglück samt einem privaten Schicksalsschlag die Karriere und damit auch das Leben Trautmanns.

Der Kern Trautmanns verfolgt allerdings auch nicht das Ziel, eine möglichst heldenhafte Lebensgeschichte des deutschen Torwarts in England zu beschreiben, sondern zielt auf eine wichtigere Botschaft, welche lautet: „Hass ist einfacher als Vergebung“

Vergebung statt Hass

Als Bert Trautmann als ehemaliger Nazi und Kriegsgefangener auf englischem Boden vom Fußballverein Manchester City zum Profi-Torwart berufen wurde, war die Welle der Empörung groß und heftig – doch den Menschen, die ihn zuvor noch als Nazi-Torwart beschimpften, erkannten den Menschen hinter dem vermeintlich deutschen Soldaten. Ein Mensch allein kann nicht die Schuld an derartig großen Kriegsverbrechen tragen, doch er kann die Chance erhalten, sein Leben zu ändern – wenn andere bereit sind, ihm diese Chance zu gewähren.

Trautmann ist ein sehenswerter Film, der trotz seines historisch-biografischen Charakters sowohl eine lebhafte Heldenstory mit Gänsehaut-Feeling zeigt, als auch im Bezug auf Rassismus und Fremdenhass ein aktuelles Thema aufgreift.

meinKA sagt: Ab ins Kino!


 

SquareOne Entertainment
Trautmann | Jetzt im Filmpalast am ZKM!


Er kam als Feind und ging als Held.

Der deutsche Soldat Bert Trautmann wurde zu einer Torwartlegende in England, als er nach dem Zweiten Weltkrieg für Manchester City spielte und einer der besten Torhüter der Welt wurde.

 


Film im Überblick – Trautmann

Kinostart: 14. März 2019

Land: Deutschland, Großbritannien, Irland

Genre: Drama/Sport

Altersfreigabe: ohne Altersbeschränkung

Regisseur: Marcus H. Rosenmüller

Besetzung: David Kross, Freya Mavor, John Henshaw, Harry Melling, Gary Lewis Länge: 120 Minuten


 

John Henshaw, Freya Mavor, David Kross | Quelle: SquareOne Entertainment

 


Neugierig? Kinotrailer zu Trautmann

 

Ab ins Kino – Filmpalast am ZKM

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