News aus Baden-Württemberg
Immer weniger Kandidaten für Naturdenkmale

News aus Baden-Württemberg Immer weniger Kandidaten für Naturdenkmale

Quelle: Uli Deck

Im Südwesten gibt es mehr als 14 000 Naturdenkmale. Das können fünf Hektar große Flächen oder auch einzelne Bäume sein. Doch die Chancen auf weitere Ausweisungen schwinden. Das hat einen guten Grund.

Die Zahl sogenannter Naturdenkmale in Baden-Württemberg wird in den kommenden Jahren kaum noch wachsen können. «In aller Regel sind inzwischen die Flächen und Gebilde, die die Kriterien für eine Unterschutzstellung erfüllen, bereits geschützt. So sinkt das Potenzial – und die Zahlen – für Neuausweisungen», teilte eine Sprecherin des Umweltministeriums in Stuttgart mit.

Derzeit sind 14 867 Naturdenkmale im Südwesten registriert. Das können einzelne Bäume, Felsen oder Höhlen sein (8645) oder Flächen von einer Größe bis maximal fünf Hektar (6222). Wie Naturschutzgebiete dürfen sie nicht verändert werden.

Das landesweit einzige im vergangenen Jahr ausgezeichnete Naturdenkmal war laut einer Liste des Ministeriums die Sandgrube Grüner Weg – West in Karlsruhe mit einer Fläche von etwas mehr als einem Hektar. Der Schutz für dieses Gelände ist aus Sicht von Hartmut Weinrebe, Regionalgeschäftsführer des Umweltverbandes BUND Mittlerer Oberrhein, wegen seltener Tier- und Pflanzenarten wichtig. Hier seien Sandlaufkäfer sowie bestimmte Flechten und Gräser heimisch. «Das ist eine auf die Nische angepasste Lebensgemeinschaft», sagte Weinrebe.

In den 1980er und 90er Jahren seien sehr viele Naturdenkmale ausgewiesen worden, erklärte er. Der Statistik zufolge traf das 2015 noch auf 132 zu. Danach sank die Zahl rapide, 2018 gab es sogar kein einziges. Und auch in den Jahren 2011 bis 2014 lag die Zahl jeweils nur im zweistelligen Bereich. Im laufenden Jahr haben die Unteren Naturschutzbehörden bisher drei Naturdenkmale in die Datenbank eingetragen: die Tongrube Reubach im Landkreis Schwäbisch-Hall und jeweils in der Stadt Lörrach zwei Traubeneichen im Suhleckweg sowie eine Sommer- und eine Winterlinde im Juraweg. Weitere könnten folgen.

Jedermann kann eine Prüfung bei den Behörden anregen, ob ein Gebiet geschützt werden kann. Kriterien geben die Naturschutzgesetze für Bund und Land vor. Demnach muss der besondere Schutz aus wissenschaftlichen, naturgeschichtlichen oder landeskundlichen Gründen erforderlich sein oder wegen ihrer Seltenheit, Eigenart oder Schönheit. Ein weiteres Kriterium ist, wenn Schutz und Erhaltung zur Sicherung und Entwicklung von Lebensgemeinschaften oder Lebensstätten bestimmter wildlebender Tier- und Pflanzenarten erforderlich ist.

Dass neben kleinen Biotopen wie dem Karlsruher Sandrasen auch jede Menge einzelne Bäume zum Naturdenkmal erklärt wurden, hat dabei gute Gründe: «Gerade ein einzelner, meist besonders alter und/oder großer Baum kann von hoher naturgeschichtlicher und auch landeskundlicher Bedeutung sein oder auch Lebensraum für bestimmte Tier- oder auch Pflanzenarten bieten, woraus sich sein Schutz rechtfertigt», erläuterte die Ministeriumssprecherin. Umweltschützer Weinrebe verweist darauf, dass auf einer einzelnen Eiche mehrere Tausend Tiere leben könnten. Selbst als Totholz böten sie Fledermäusen, Vögeln, Käfern, Fliegen, Wanzen, Springschwänzen und Wespen ein Zuhause.

Auch zum Erhalt der genetischen Vielfalt sei der Naturschutz wichtig. Rotbuchen etwa könnten mehrere Hundert Jahre alt werden, würden in einem bewirtschafteten Wald aber nach 100, 140 Jahren gefällt. «Umso wichtiger ist es, manche Bäume alt werden zu lassen», so Weinrebe.

Dennoch sieht man hin und wieder sogar Naturschützer mit der Motorsäge auf dem Sandrasen in Karlsruhe. So sollen eingewanderte Arten wie Kermesbeere, Traubenkirsche und Eschen-Ahorn bekämpft werden. Die Wertigkeit des Geländes sei seit vielen Jahren bekannt gewesen, so Weinrebe. Bis ein Naturdenkmal als solches ausgewiesen wird, brauche es aber umfangreiche Kommunikationsprozesse, Gemeinderäte müssen zustimmen. Denn so eine Entscheidung hat Folgen für viele Menschen: Am Grünen Weg waren zum Beispiel freilaufende Hunde und vor allem ihre Hinterlassenschaften bis dato ein Problem.

 

Weitere Nachrichten

Not-Unterkünfte für Flüchtlinge: Lage sei ausgesprochen ernst

Wochenlang mussten 2015 die Sporthallen als Not-Unterkünfte für Flüchtlinge genutzt werden. Dann kam Corona, und erneut waren die Hallen dicht. Nun könnte sich das Szenario wiederholen.

Pandemiemaßnahmen: Bund soll bei Bedarf epidemische Notlage ausrufen

Baden-Württembergs Gesundheitsminister Manne Lucha sieht den Bund in der Pflicht, im Herbst bei Bedarf erneut die epidemische Notlage auszurufen.

Wilhelma: Sehr seltener Nachwuchs bei den Schabrackentapiren

Er ist schwarz-weiß, längs gestreift und ein bisschen gepunktet: Seit Mittwoch tapst ein seltener Schabrackentapir durch sein neues Revier und könnte schnell zum Publikumsliebling der Stuttgarter Wilhelma werden.

Diese Maßnahmen werden umgesetzt: Stadt Karlsruhe spart ab sofort Energie ein

Mit Sofortmaßnahmen zur Senkung ihres Energieverbrauchs will die Stadtverwaltung Karlsruhe einer drohenden Gasmangellage entgegentreten, heißt es in einer Pressemeldung vom 10. August 2022. Die folgenden Maßnahmen sollen in Kürze umgesetzt werden.

Streit in Bruchsal: 42-Jähriger soll seine eigene Mutter getötet haben

Nachdem ein 42-Jähriger am Montag, 08. August 2022, seine eigene Mutter getötet haben soll, wurde er auf Antrag der Staatsanwaltschaft Karlsruhe am Dienstagnachmittag, 09. August 2022, dem zuständigen Haftrichter vorgeführt, der Haftbefehl erließ.

Krankheitserreger: Stadtverwaltung Karlsruhe rät vom Baden in der Alb ab

Die anhaltende Trockenheit, ausbleibende Niederschläge sowie die ungewöhnlich hohen Temperaturen setzen den städtischen Gewässern in Karlsruhe zu. Aktuell betrifft dies die Alb, teilt die Stadtverwaltung mit und rät daher vom Baden in dem Fluss ab.

Verdi lehnt Ausnahme für Klinikpersonal bei Corona-Quarantäne ab

Die Gewerkschaft Verdi hat eine Ausnahmeregelung bei der Quarantäne für Klinikpersonal bei einer Corona-Infektion kritisiert.

Socken in Sandalen? Glööckler über Modesünden im Sommer

Modeschöpfer Harald Glööckler (57) kann Socken in Sandalen nicht viel abgewinnen.

Sorgen im KSC-Abwehrzentrum: kurzfristige & nachhaltige Lösung gesucht

Die Personalsorgen in der Innenverteidigung des Fußball-Zweitligisten Karlsruher SC werden weniger.

Kassiererin in Bruchsal mit Messer bedroht

Mit einem Messer soll ein 45-Jähriger in Bruchsal (Landkreis Karlsruhe) eine Kassiererin bedroht haben.

Hund im überhitzten Auto vor Heidelberger Polizeirevier zurückgelassen

Ein Mann hat seinen Hund in Heidelberg bei praller Sonne im überhitzten Auto zurückgelassen. Der Hundehalter parkte den Wagen ausgerechnet vor einem Polizeirevier.

Feuer im Hardtwald: Unbekannter legte mutmaßlich mehrere Waldbrände

Ein Unbekannter ist wohl für drei Waldbrände zwischen Mittwoch, 03. August, und Dienstag, 09. August 2022, im Hardtwald nördlich von Karlsruhe verantwortlich. Das Fachdezernat der Kriminalpolizei Karlsruhe hat die Ermittlungen übernommen und sucht Zeugen.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 




Auch interessant


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen?

Daumen hoch, wenn Ihnen der Artikel gefallen hat, oder zeigen Sie uns, dass wir uns verbessern können.

0%
0%

Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.