Neues Tarifmodell "Home Zone" & und Entfernungstarif
KVV passt Tarife an: Ab August durchschnittlich 3,78 Prozent teurer

Neues Tarifmodell "Home Zone" & und Entfernungstarif KVV passt Tarife an: Ab August durchschnittlich 3,78 Prozent teurer

Quelle: Thomas Riedel

Der Karlsruher Verkehrsverbund passt seine Tarife an: Zum 01. August werden die Ticketpreise um durchschnittlich 3,78 Prozent angehoben. Diesen Beschluss hat der KVV-Aufsichtsrat gefasst, die Genehmigungsbehörde muss der Änderungen nun noch zustimmen.

Karlsruher Verkehrsverbund passt seine Tarife an

Der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) passt seine Tarife zum 01. August 2021 an – dadurch werden die Ticketpreise um durchschnittlich 3,78 Prozent angehoben. Einen entsprechenden Beschluss hat der KVV-Aufsichtsrat mehrheitlich gefasst, die Genehmigungsbehörde muss den geplanten Änderungen noch zustimmen, teilt der KVV mit.

Mit der Anpassung der Ticket-Preise reagiert der KVV auf erhöhte Personalkosten durch die neuen Tarifabschlüsse im Öffentlichen Dienst, gestiegene Energiepreise für den Bus-und Bahnbetrieb sowie Investitionskosten für den Erhalt und Ausbau der ÖPNV-Infrastruktur.

Gleichzeitig bietet der KVV seinen Kunden aber auch weiterhin Ticket-Angebote, wie etwa eine erweiterte Mitnahmeregelung für Kinder. Im Dezember 2021 bietet der KVV mit der „Home Zone“ zudem in ein innovatives Tarifangebot an (siehe weiter unten im Text).

 

Die neuen Fahrkartentarife im Überblick

Der KVV wird in Kürze auf seiner Homepage unter kvv.de/fahrkarten alle neuen Tarife mit den konkreten Preisen aufführen –sobald die Genehmigungsbehörde den Anpassungen zugestimmt hat. Es folgt eine Übersicht zur durchschnittlichen Preisanpassung bei den am stärksten nachgefragten Fahrkarten.

 

Einzelfahrkarten

Anpassung zwischen 4,6 bis 7,7 Prozent über alle Preisstufenhinweg (Wabe 1 bis 7). Eine 2-Waben-Einzelkarte (Geltungsbereich Stadtgebiet Karlsruhe/Baden-Baden) für Erwachsene kostet zukünftig 2,80 Euro statt wie bisher 2,60 Euro. Bei Kindern wird der Preis von 1,50 Euro um zehn Cent angehoben.

 

Tageskarten

Die Preise für Tageskarten werden teilweise abgesenkt und die Mitnahmeregelung für Kinder ausgeweitet. Die dadurch entstehenden Mindererlöse wirken der Tariferhöhung entgegen. Außerdem kann zukünftig die Tageskarte ganz auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten gelöst werden, ähnlich wie bei der bekannten Staffelung des Baden-Württemberg-Tickets.

Eine Tageskarte „City“ für eine Person kostet so beispielsweise genau so vielwie zwei Einzelfahrkarten für Karlsruhe, 5,60 Euro. Jede weitere Person kostet wieder den Preis für eine Einzelfahrkarte in Karlsruhe mehr. So kostet die Citykarte zwei Personen 8,40 Euro. Der Preis für die Regiotageskarte für eine Person sinkt um einen Euro von 11,80 auf 10,80 Euro. Auch hier fallen für jeden weiteren Erwachsenen 3,80 Euro an.

 

Karte ab 65

Die Karte ab 65 wird um 2,1 Prozentangepasst. Kunden zahlen dann monatlich 49,00 Euro statt wie bisher 48,00 Euro.

 

Monatskarten

Die Monatskarten werden um 3,0 bis 3,9 Prozent über das gesamte Sortimentangepasst. Die Erhöhung über die am stärksten nachgefragten Karten im Bereich 2 Waben beträgt 2,00 Euro. Eine Monatskarte im Geltungsbereich 2 Waben kostet ab dem 01. August 68,00 Euro statt 66,00 Euro. Eine verbundweite gültige Monatskarte (7 oder mehr Waben) kostet zukünftig 183,00 Euro statt 177,00 Euro.

 

Jahreskarte/AboFix

Hier erfolgt eine Anpassung um 3,4 bis 4,1 Prozent über das gesamte Sortiment. Eine Jahreskarte für Erwachsene im Geltungsbereich 2 Waben kostet nach der Tarifanpassung 708,00 Euro. Der bisherige Preis lag bei 684,00 Euro. Für eine Jahreskarte mit Netzfunktion (7 oder mehr Waben) werden 1.920,00 statt 1.848,00 Euro berechnet.

 

KombiCard/KombiCard Partner

Die Anpassung beträgt bei der KombiCard 3,8 Prozent. Das entspricht einem Preisanstieg von 3,50 Euro im Monat. Die Karte kostet dann 94,50 Euro. Der Preis für die Partnerkarte wird –gekoppelt an die Preisentwicklung der Hauptkarte – ebenfalls um 3,8 Prozent angehoben (2,63 Euro monatlich) und beträgt dann 70,88 Euro.

 

9-Uhr-Karte

Die 9-Uhr-Karte wird zukünftig in denselben sechs Preisstufen der Monatskarten angeboten und dem Kunden somit ein deutlich flexibleres Angebot gemacht. Zuvor gab es nur eine Differenzierung zwischen 3 Waben oder der Netzfunktion. Für ein 2-Waben-Ticket sinkt der neue Preis um einen Euro (53,00 statt 54,00 Euro), im verbundweiten Geltungsbereich (7 Waben oder mehr) liegt der neue Preis bei 92 Euro.

 

ScoolCard

Die ScoolCard –eine Jahreskarte für Schüler und Azubis –wird zum 01. September um 3 Prozent angepasst. Das entspricht einer monatlichen Preiserhöhung von 1,50. Eine ScoolCard, die zur Fahrt im gesamten Verbundgebiet berechtigt, kostet dann 510,00 Euro (bisher 495,00 Euro) pro Jahr.

 

Ausbildungs-Monatskarte

Die Ausbildungs-Monatskarten werde nebenfalls zum 01. September um 3,0 bis 3,9Prozent angepasst. Das entspricht einer monatlichen Preiserhöhung von 1,50 bis 4,00 Euro.

 

Studikart/Semesterticket

Hier erfolgt eine Anpassung zwischen 3,7 bis 5,6 Prozent. Bisher lag der Preis für die Studikarte, (die 6 Monate gültig ist) bei 162,80 Euro. Ab September kostet das Semester-Ticket dann 168,90 Euro.

 

Erweiterte Mitnahmeregelung für Kinder ab August

Der KVV will seine familienfreundliche Tarifpolitik fortsetzen und bietet mit der Tarifanpassung zum 01. August auch eine erweiterte Mitnahregelung für Kinder bei Tageskartenfür Erwachsenen an. Kinder beziehungsweise Enkelkindern unter 15 Jahren fahren dann grundsätzlich immer kostenlos bei Ihren Eltern beziehungsweise Großeltern mit, erklärt der KVV.

 

Neu: Innovatives Ticket-Angebot „HomeZone“

Auch die Einführung der „HomeZone“ wird zur Attraktivitätssteigerung des ÖPNV beitragen. Damit können Kunden ab dem Jahresende 2021 über ihr Smartphone ihren individuellen Bewegungsradius als Tarifzone festlegen und damit unabhängig vom KVV-Wabennetz verkehren. Darüber hinaus wirdein luftlinienbasierter Entfernungstarif integriert, der vor allem ÖPNV-Nutzer auf der Kurzstreckepreislich entlastet

„Mit diesem E-Tarifmodell bieten wir ein innovatives Tarifmodell an, das perfekt auf die wachsenden Bedürfnisse der Kunden nach einem einfachen, digitalen Zugang zum gesamten Mobilitätsangebot des KVV zugeschnitten ist“, so KVV-Geschäftsführer Dr. Pischon. Der luftlinienbasierte Entfernungstarif wird über die App auch allen Fahrgästen zur Verfügung stehen, die keine HomeZone gebucht haben und den ÖPNV nur gelegentlich nutzen.

Mehr Infoszur „HomeZone“gibt e sonline unter kvv.de/homezone

 

„Wir müssen auf diese Kostenentwicklungen reagieren“

„Angesichts der Klima-und verkehrspolitischen Ziele steht der KVV wie die gesamte ÖPNV-Branche vor der Herausforderung, die Ausweitung des Angebots oder flexiblere Ticket-Lösungen auf eine solide finanzielle Grundlage zu stellen. Gleichzeitig sinkt jedoch der ohnehin begrenzte kommunale finanzielle Handlungsspielraum durch die Pandemie weiter“, erklärt der KVV-Aufsichtsratsvorsitzende und Karlsruher Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup.

„Auch wenn eine Tarifanpassung und eine verstärkte Nutzerfinanzierung immer unpopulär sind, müssen wir mit betriebswirtschaftlicher Vernunft auf diese Kostenentwicklungen reagieren. Das hat die Mehrheit des Aufsichtsrates auch so gesehen. Nur so kann der KVV den Menschen in der Region auch weiterhin ein attraktives und umweltfreundliches Nahverkehrsangebot machen“, betont Dr. Mentrup.

 

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht“

Zuletzt hatte der KVV im Dezember 2019 seine Tarife angepasst, im vergangenen Jahre diese indes ausgesetzt und durch diese Aussetzung in der ersten Hälfte des Jahrs 2021 die temporär abgesenkte Mehrwertsteuer an seine Kunden weitergereicht.

„Wir haben uns diese Entscheidung nicht einfach gemacht. Die beschlossene Tarifanpassung gibt den Verkehrsunternehmen im KVV jedoch etwas mehr Handlungsspielraum zur Gestaltung der klimagerechten Verkehrswende. Denn neben der allgemeinen Kostenentwicklung stellen auch die Folgen der Corona-Pandemie den KVVund seine Verkehrsunternehmen weiterhin vor große wirtschaftliche Herausforderungen“, macht KVV-Geschäftsführer Dr. Alexander Pischon deutlich.

 

Corona-Pandemie sorgt für Einbußen

Seit Ausbruch der Pandemie hat der KVV einen Einbruch bei den Fahrgastzahlen und somit auch bei den Tarifeinnahmen zu verzeichnen, informiert das Unternehmen. Ohne den von Bund und Land aufgespannten ÖPNV-Rettungsschirm wäre für den KVV die Aufrechterhaltung der Mobilitätsangebote in den vergangenen Monaten nicht möglich gewesen heißt es.

Im Jahr 2020 mindern sich die Erlöse im KVV um ca. 1,5 bis 2 Millionen Euro, 2021 sind weitere nachhaltige Fahrgeldrückgänge zu erwarten. Trotzdem haben die Verkehrsunternehmen im KVV auf Entscheidung von Politik und Aufgabenträgern während der gesamten Pandemie ihr Fahrplanangebot nicht ausgedünnt, erklärt der KVV.

 

Die einzelnen KVV-Kostenfaktoren im Überblick

Gestiegene Personalkostendurch neue Tarifabschlüsse

Mit ungefähr 60 Prozent stellen naturgemäß die Personalaufwendungen den größten Kostenblock bei den Verkehrsunternehmen dar. Im Herbst 2020 führten die Lohn-und Manteltarifvertragsabschlüsse zwischen ver.di und den kommunalen Arbeitgebern für die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (BzTV-N BW) zu einer Erhöhung der Personalkosten von bis zu 9,38 Prozentbis zum Jahr 2022.

Im April 2019 sind die Löhne um 3,09 Prozent und im April 2020 dann erneut um 1,06 Prozent gestiegen. Noch deutlicher fallen die Erhöhung der Personalkosten beim ZugTV mit der Lokführer-Gewerkschaft GDL für die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft aus.

Hier kommt es von 2019 bis 2022 inklusive Zulagen und Flexibilisierung der Arbeitszeit zu einem schrittweisen Lohnzuwachs von 16,65 Prozent (Tarifvertrag für das Zugpersonal ZugTV). Für den ebenfalls geltenden ETV Tarifvertrag, der mit ver.di verhandelt wird, lagen die Personalkostensteigerungen von 2019 bis 2021 bei ca. 8,75 Prozent.

 

Gestiegene Energiekosten

Eine Tarifanpassung ist auch angesichts kontinuierlich steigender Energiekosten erforderlich. Im KVV werden 80 Prozent der Fahrgeldeinnahmen im schienengebundenen Nahverkehr und 20 Prozent im Busverkehr erlöst. Somit spielt der Strompreis bei der aktuellen Kostenentwicklung eine wichtige Rolle. Dieser hat sich im Verlauf der vergangenen fünf Jahre verdoppelt.

Doch auch beim für den Busbetrieb relevanten Preis für Dieselkraftstoff ist –nach einem Tiefstwert im Jahr 2020 –wieder ein Preisanstieg um rund 25 Prozent zu verzeichnen. Perspektivisch ist durch die CO2-Bepreisung hier in den kommenden Jahren mit weiter steigenden Kosten zu rechnen, so der KVV.

 

Gestiegene Materialkosten

Die Materialkostensteigerung für die Instandhaltung der Fahrzeugflotten belief sich in den Jahren 2019 und 2020 auf ca. 1,5 bis2 Prozent pro Jahr.

 

Investitionen in die ÖPNV-Infrastruktur

In den Bilanzbüchern der Verkehrsunternehmen spiegeln sich auch die hohen Kosten für Investitionen in die ÖPNV-Infrastruktur wider. Auch der barrierefreie Ausbau von Haltestellen, zu dem die Verkehrsunternehmen gesetzlich verpflichtet sind, sowie Investitionen in den Erhalt der Infrastruktur und die gestiegenen Anforderungen der Digitalisierung schlagen hier auf der Ausgabenseite zu Buche.

 

Inflationsrate

Neben den oben genannten Kostenfaktoren ist bei der Kalkulation zur Tarifanpassung zudem auch die Inflationsrate mit einzubeziehen. Im vergangenen Jahr lag die Inflationsrate bei 0,5 Prozent, für 2021 wird diese von den führenden Wirtschaftsinstituten auf 1,4 Prozent geschätzt.

 

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