Forschungsprojekt wird verlängert
EVA-Shuttle: Ende Februar 2021 beginnt der Passagierbetrieb in Karlsruhe

Forschungsprojekt wird verlängert EVA-Shuttle: Ende Februar 2021 beginnt der Passagierbetrieb in Karlsruhe

Quelle: Paul Gärtner

Der Testbetrieb der EVA-Shuttles in Karlsruhe wird fortgesetzt. Ende Februar 2021 werden drei automatisiert agierende Mini-Busse im Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock mit Passagieren verkehren, darüber informiert das FZI Forschungszentrum Informatik.

Forschungsprojekt EVA-Shuttle wird verlängert

Elektrisch, vernetzt und automatisiert können ab Ende Februar 2021 Passagiere die sogenannte „letzte Meile“ im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock zurücklegen. Hierfür wurden drei Mini-Busse für das Forschungsprojekt EVA-Shuttle seit Sommer 2019 umgerüstet und für den Einsatz im öffentlichen Personen-Nahverkehr vorbereitet, erklärt das FZI Forschungszentrum Informatik in einer Pressemitteilung.

Der Zustieg erfolgt demnach über die App-Buchung und ist an einer der virtuellen Haltestellen in Weiherfeld-Dammerstock möglich. Bis zu sechs Personen können in den Bussen theoretisch Platz finden und sich zwischen ihrem Wohnort und der S-Bahnhaltestelle Dammerstock von Ella, Vera und Anna chauffieren lassen. Betreiber der Busse werden die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) sein.

 

Trotz Automatisierung: Sicherheitsfahrer an Board

An Bord des Shuttles wird wie rechtlich vorgeschrieben ein Sicherheitsfahrer des Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) sein, um jederzeit das Steuer übernehmen zu können. Dazu werden sie derzeit in einer eigens konzipierten Schulung auf den Einsatz vorbereitet. Hinsichtlich der Corona-Pandemie werden ab dem Start des Passagierbetriebs die jeweils aktuellen VBK-Hygienebestimmungen zum Schutz der Fahrgäste und Mitarbeiter in den Shuttles gelten.

Ursprünglich sollte das Projekt eigentlich zum Jahresende abgeschlossen werden – doch nun erfolgt die Verlängerung. „Das Herzstück und Highlight des Projektes, auf das wir intensiv hingearbeitet haben, ist der reale Betrieb mit Fahrgästen in Weiherfeld-Dammerstock. Wir wollten jetzt im Dezember schon längst im Passagierbetrieb sein – und dann kam im Frühjahr die Corona-Pandemie und machte uns einen Strich durch die Rechnung“, erklärt Dr.-Ing. Florian Kuhnt vom FZI Forschungszentrum Informatik, Projektleiter von EVA-Shuttle.

„Dadurch kam es natürlich zu Verzögerungen bei verschiedenen Arbeitsprozessen. So war für uns vor allem die Fahrzeugentwicklung auf engem Raum mit mehreren Personen und Projektpartnern seit Frühjahr nur schwer möglich. Die Forschungsdaten aus dem realen Fahrbetrieb sind für alle Projektpartner aber wesentlich, also haben wir mit Vollgas daran gearbeitet, das Projekt trotz neuer Rahmenbedingungen sicher auf die Straße zu bringen“, so Kuhnt weiter.

 

Verlängerung bis Ende Juni & Aufstockung der Mittel

Die Projektpartner stellten daher beim fördernden Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur einen Antrag auf Verlängerung bis zum 30. Juni 2021 und eine Aufstockung der Mittel um rund 200.000 Euro, dem auch stattgegeben wurde. Dies ermöglicht dem EVA-Shuttle-Team, den aktuell laufenden Testbetrieb ohne Passagiere abzuschließen und Ende Februar 2021 fließend in die finale Projektphase überzugehen.

Der Realbetrieb mit Passagieren ermöglicht es, Erkenntnisse über die Akzeptanz der Nutzer zu sammeln und die Erfahrungen aus dem simulierten Passagierbetrieb auf die Probe zu stellen. Weitere Kilometer an Erfahrung auf der Straße sind zudem ungemein nützlich und werden direkt in das laufende System und die Mobilitätsforschung einfließen, so das FZI.

 

„Einzigartiges Projekt“: Novum im urbanen Mischverkehr

„Wir forschen hier an einem in Deutschland einzigartigen Projekt“, so Florian Kuhnt. Während lenkradlose Fahrzeuge üblicherweise virtuellen Schienen folgen, entscheiden Ella, Vera und Anna ihre Bewegung frei innerhalb der Fahrbahngrenzen und können damit eigenständig auf verschiedene Verkehrssituationen im innerstädtischen Mischbetrieb mit weiteren Pkws und Lkws, sowie Passanten und Fahrrädern reagieren.

Das autonome Agieren im Verkehr geschieht mittels am FZI eigens entwickelter Planungsalgorithmen zur Entscheidungsfindung. Diese bauen auf der Sensorik, Umfelderkennung und der Selbstlokalisierung des Projektpartners Bosch auf.

Statt nach festem Fahrplan sind die Fahrzeuge „On-Demand“ unterwegs, sprich auf Abruf per App buchbar. Wenn Fahrgäste ein Shuttle anfordern, errechnet die intelligente Software des Projektpartners ioki automatisch die beste Route. „Mobilität wird mehr und mehr multimodal und digital. Mit dem Forschungsprojekt EVA-Shuttle entwickeln wir den ÖPNV intelligent weiter und verbinden autonomes Fahren mit On-Demand-Buchung“, sagt Dr. Michael Barillère-Scholz, Geschäftsführer von ioki.

 

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