Corona in Baden-Württemberg
Kritik an mangelnder Planung vor dritter Corona-Impfung

Corona in Baden-Württemberg Kritik an mangelnder Planung vor dritter Corona-Impfung

Quelle: Jörg Carstensen

Israel bietet Senioren einen dritten Piks gegen Covid-19 an. Auch in Deutschland sprechen sich manche Fachleute schon eine Weile dafür aus, Gesundheitsminister Manne Lucha fordert die Auffrischung zum September. «Nicht warten, planen» fordern derweil Patientenschützer.

Trotz des baden-württembergischen Drucks in der Debatte um Auffrischungsimpfungen kritisieren Patientenschützer den nach ihrer Einschätzung späten Start in die Planungen für die neue Kampagne. «Es steht zu befürchten, dass Bund und Länder die Planung für die wichtige Auffrischungskampagne verschlafen», sagte der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Deutsche Presse-Agentur dpa. Die Politik müsse vorbereitet sein, wenn die Ständige Impfkommission (Stiko) grünes Licht gebe. Viele politische Entscheidungen könnten vorbereitet werden, «ohne dass die Stiko sagt, wo es langgeht», betonte Brysch. Bislang lägen der Stiko nicht die nötigen Daten vor, um Auffrischimpfungen gegen Corona für ältere Menschen in Deutschland zu empfehlen.

Für bestimmte Gruppen schlägt das Bundesgesundheitsministerium Auffrischungsimpfungen gegen das Coronavirus ab September vor. Das geht aus einem Entwurf für einen Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz an diesem Montag hervor, der der Deutschen Presse-Agentur vorliegt. Insbesondere bei immungeschwächten, sehr alten und pflegebedürftigen Menschen wiesen Studienergebnisse auf einen verminderten oder schnell nachlassenden Schutz nach einer Impfung hin. Die Länder sollen deshalb laut Entwurf mobile Impfteams unter anderem in Pflegeeinrichtungen schicken. Menschen mit einer Immunschwäche oder in häuslicher Pflege sollen demnach von ihren Ärzten eine Auffrischungsimpfung angeboten bekommen.

Die Impfkommission müsse unbedingt hauptamtlich personell gestärkt werden, um schneller zu entscheiden, forderte Brysch. Außerdem müsse die Politik die Organisation der Impfteams angehen. «Gebraucht werden aufsuchende Impfangebote in den 12 000 Pflegeheimen in Deutschland.» Solche Auffrischungen müssten von mobilen Impfteams übernommen werden. Die Logistik könne schwer werden, weil die Impfzentren auch in Baden-Württemberg Ende September geschlossen werden sollen. «Bislang waren sie aber verantwortlich für die Ausbildung und Aufstellung dieser Teams. Das hinterlässt eine Lücke, die die Politik bereits jetzt konzeptionell füllen muss», sagte der Patientenschützer.

Nach Angaben des baden-württembergischen Gesundheitsministeriums ist noch unklar, wer in der anstehenden neuen Kampagne die Impfungen in den Heimen übernehmen könnte. Unter anderem werde der Einsatz mobiler Impfteams geprüft. Anders als in Bayern, wo die Impfzentren mit angepasster Kapazität und Fokus auf mobile Teams bis mindestens April 2022 erhalten bleiben sollen, spielen sie im Südwesten nur bis Ende September eine Rolle. Einen Betrieb darüber hinaus mit angepasster Kapazität strebe Baden-Württemberg aktuell eher nicht an, sagte eine Sprecherin des Ministeriums.

Die Zahl der in den ersten vier Monaten gesetzten Spritzen in den vulnerablen Gruppen sei geprüft und ein Bedarf an Auffrischimpfungen ermittelt worden, hieß es weiter. «Wir bereiten uns darauf vor, dass entsprechende Zielgruppen möglichst eine zeitnahe Auffrischimpfung nach dem Start erhalten werden», sagte die Ministeriumssprecherin. Mittelfristig rechnet Gesundheitsminister Manne Lucha (Grüne) damit, dass Schutzimpfungen gegen das Coronavirus ähnlich einer Grippeimpfung regelmäßig erneuert werden müssen.

Der Grünen-Politiker hatte zuletzt den Druck auch auf die Stiko erhöht. «Ich werde am Montag auf der Gesundheitsministerkonferenz fordern, dass wir mit den Auffrischimpfungen ab dem 1. September beginnen», hatte Lucha am vergangenen Freitag gesagt. Die vierte Welle rolle an und gleichzeitig gebe es freie Kapazitäten in den Impfzentren, die man nutzen müsse. Die Kommission müsse dringend eine Empfehlung abgeben, mit welchen Gruppen man starten könne.

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte den Druck daraufhin scharf. «Das ist ein Spiel mit dem Feuer», sagte Brysch. «Wir torpedieren damit die Unabhängigkeit des Gremiums.» Er forderte die Stiko auf, robust zu sein gegen das politische Drängen.

 

Weitere Nachrichten

Verwaltungsvorschrift geändert: Polizei nennt Nationalität von Verdächtigen nun regelmäßig

Die Landesregierung hat die Regeln geändert: Die Staatsangehörigkeit von Verdächtigen wird nun in den allermeisten Fällen genannt. Wie die Minister das begründen und welche Ausnahmen es gibt.

BGH in Karlsruhe prüft: Bekommt Maler Beltracchi seine Fälschung zurück?

Wolfgang Beltracchi fordert die Herausgabe seines berühmten Gemäldes «Rotes Bild mit Pferden» - doch wem gehört das Kunstwerk wirklich? Der Bundesgerichtshof muss entscheiden.

Bekanntes Nutzfahrzeug: 80 Jahre Unimog - und wichtiger denn je?

Der Unimog ist ein Allrounder: Einst auf dem Acker zur Kartoffelernte, heute bei Kommunen, Feuerwehr oder dem Militär im Einsatz. Warum er auch nach vielen Jahrzehnten weiter gefragt ist.

30 junge Waldrappe erreichen Winterquartier in Spanien nach 2.640 Kilometer Reise

30 junge Waldrappe haben nach einem ersten gescheiterten Versuch ihr Winterquartier in Spanien erreicht. Die seltenen Vögel wurden von einem Ultraleichtflugzeug begleitet.

Jahresbericht: Experten kritisieren Klimapolitik des Landes

Jedes Jahr untersuchen Wissenschaftler im Auftrag des Landes, wie der Südwesten beim Klimaschutz vorankommt. Allzu gut kommen die Maßnahmen und auch die künftigen Vorhaben von Grün-Schwarz nicht weg.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.