Corona in Baden-Württemberg
Umgang mit Covid-Toten für Bestatter eine Herausforderung

Corona in Baden-Württemberg Umgang mit Covid-Toten für Bestatter eine Herausforderung

Quelle: Robert Michael

Das Sterben hat sich in der Pandemie verändert. Selbst nach dem Tod bleibt eine Sorge vor Ansteckung – Abschied nehmen ist für Angehörige schwer. Doch auch Bestattern macht der veränderte Umgang zu schaffen.

Die hohe Zahl an Covid-Toten und der veränderte Umgang mit ihnen ist für Bestatter in Baden-Württemberg eine Herausforderung. Man erfahre seit Beginn der Pandemie wöchentlich von schlimmen menschlichen Schicksalen, sagte Ralf Homburger von der Landesinnung des Bestattungsgewerbes. Dabei bildeten die reinen Zahlen die persönliche Anspannung nicht ab, ergänzte der stellvertretende Landesinnungsmeister.

So könnten sich etwa Angehörige sehr oft von einem geliebten Menschen nicht richtig verabschieden. Oder eine Bestattungsfeier könne erst verspätet stattfinden, weil ganze Familien erkrankt seien. «Alle Umstände die damit verbunden sind, gehen an uns als Bestatter selbstverständlich nicht vorbei.»

Eine weitere Herausforderung ist laut Christian Streidt der zusätzliche Aufwand für den Schutz vor Ansteckung. Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Bestatter betreibt ein Bestattungsinstitut in Ulm. Bereits wenn ein Verstorbener mit Verdacht auf eine vorausgegangene Corona-Infektion abgeholt werden müsse, kleiden sich Streidt und seine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter komplett in spezielle Schutzkleidung samt Atemmaske. Die Gefahr bestehe darin, mit Körperflüssigkeiten in Kontakt zu kommen oder wenn beim Bewegen der Verstorbenen noch Luft aus der Lunge entweiche, erklärte Streidt.

Doch auch ihn beschäftigt, wie sich der Umgang mit Verstorbenen verändert hat. Das Gesetz schreibe vor, Covid-Tote umgehend in einen «Bodybag», einen speziellen Leichensack, zu betten. Dieser dürfe danach nicht mehr geöffnet werden. Abschied zu nehmen, sei so für Angehörige schwer. Erst bei der in Baden-Württemberg vorgeschriebenen zweiten Leichenschau vor einer Feuerbestattung darf der «Bodybag» noch einmal aufgemacht werden. Mit der zweiten Leichenschau soll vor einer Einäscherung erneut der Verdacht auf einen nicht natürlichen Tod ausgeschlossen werden.

Auch die zeitweise hohe Zahl an Covid-Toten innerhalb kurzer Zeit forderte den Bestatter heraus. Im November habe es über mehrere Wochen deutlich mehr Verstorbene gegeben, berichtete Streidt. Der Großteil davon seien Covid-Tote gewesen, so dass er und seine Mitarbeiter zahlreiche Überstunden hätten machen müssen, um dem gerecht zu werden. Beim Blick auf Feuerbestattungen helfe es, dass sich etwa die Krematorien im Südwesten aushelfen und er auch auf andere Standorte wie etwa Memmingen oder Kempten ausweichen könne.

Die Krematorien im Südwesten konnten die Einäscherungen trotz der zeitweise hohen Zahl an Covid-Toten bislang gut bewältigen. Doch etwa das Krematorium in Ulm war zeitweise voll ausgelastet, wie Heike Straub-Gollinger, Leiterin des Friedhofs- und Bestattungswesens, mitteilte. Ein Engpass drohte demnach aber nicht. In Stuttgart war das Krematorium laut Stadt in diesem Herbst zu etwa zwei Dritteln ausgelastet. Auch in Mannheim stieg die Zahl der Covid-Verstorbenen nach den Sommermonaten wieder an, wie ein Sprecher sagte. Die Kapazitäten des Krematoriums wurden aber nicht ausgereizt.

 

Weitere Nachrichten

Arbeitslosigkeit in Baden-Württemberg sinkt leicht

Die Arbeitslosenquote in Baden-Württemberg ist leicht gesunken. Besonders für junge Menschen bleibt die Lage angespannt.

Neue Doppelstockzüge in Baden-Württemberg kommen erst 2028

156 neue Züge hat der Südwesten bestellt, doch Produktionsprobleme und das Zulassungsverfahren bremsen Alstom aus. Der Hersteller arbeitet an einem Ersatzkonzept – was ist bisher bekannt?

Unfall auf B3 in Ettlingen: Motorradfahrer lebensgefährlich verletzt

Eine Autofahrerin wendet auf der Bundesstraße dort, wo sie es nicht dürfte. In der Folge prallt ein Motorradfahrer gegen ihren Wagen.

Vorfall in Tiefgarage: Frau mit Stichverletzung in Klinik – Unbekannter gesucht

Eine 55-Jährige ist in Karlsruhe in einer Hotel-Tiefgarage durch einen Stich schwer verletzt worden. Die Frau betrat nach derzeitigem Kenntnisstand die Tiefgarage in der Fautenbruchstraße, über ein Treppenhaus, teilte die Polizei mit.

DRK ruft zum Blutspenden auf: Darum sind Blutreserven im Südwesten knapp

Beim Blutspenden zählt derzeit jeder Tropfen: In Baden-Württemberg sind die Vorräte knapp. Erkältungen und Herbstferien verschärfen den Engpass - und die nächste Belastungsprobe steht schon bevor.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 













Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.