News aus Baden-Württemberg
Hunde-Führerschein soll in Baden-Württemberg Pflicht werden

News aus Baden-Württemberg Hunde-Führerschein soll in Baden-Württemberg Pflicht werden

Quelle: Tim Carmele

Wow oder wau dürfte so mancher bei dieser Nachricht gedacht haben: Grün-Schwarz will künftig von Hundehaltern einen «Sachkundenachweis» verlangen. Dass diese Nachricht vor allem Tierschützer freut, hat auch etwas mit Corona zu tun.

Wie in anderen Ländern sollen Hundehalterinnen und -halter in Baden-Württemberg künftig unter Beweis stellen müssen, dass sie mit ihren Tieren umgehen können. Grüne und CDU wollen nach dem Vorbild Niedersachsens einen Hunde-Führerschein einführen, wie es am Montag aus Parteikreisen hieß. Zuerst hatten die «Stuttgarter Zeitung» und die «Stuttgarter Nachrichten» darüber berichtet. Was Tierschützer und Hundeexperten freut, geht der Opposition nicht weit genug.

Im neuen Koalitionsvertrag von Grünen und CDU steht, dass man für die Hundehaltung einen «Sachkundenachweis» haben muss. Konkret bedeutet das: Hundehalter müssen in einem schriftlichen Test und einer praktischen Prüfung vor Experten ihr Wissen über das Sozialverhalten der Vierbeiner demonstrieren. In Niedersachsen kostet die Prüfung jeweils 40 Euro. Hintergrund für den Führerschein ist, Menschen vor Beißattacken zu schützen und im Sinne des Tierschutzes den Haltern die Bedürfnisse ihrer Hunde näherzubringen.

Tierschützer und Hundeschulen begrüßen das. Das Problem sei, dass sich jeder erstmal einen Welpen zulegen könne, auch wenn er nicht die nötige Sachkunde habe, sagte Daniela Lisenfeld vom Landestierschutzverband Baden-Württemberg. Wenn die Tiere dann aber nicht beigebracht bekämen, wie sie sich im Rudel mit den Menschen zu verhalten haben, hätten die Ordnungsämter viel zu tun. Andere würden völlig falsch zum Beispiel nur in der Wohnung gehalten. Nach zwei, drei Jahren landeten die Hunde dann wieder im Tierheim, wo Fachleute ihnen das Fehlverhalten abtrainieren müssten, erklärte Lisenfeld. Auch illegaler Welpenhandel sei in dem Zusammenhang ein Thema.

Daher sei der Verband mit Sitz in Karlsruhe seit Jahren für einen Hunde-Führerschein. Gerade in Corona-Zeiten hätten sich viele Menschen einen Hund zugelegt, Tierheime hätten fleißig vermittelt, sagte Lisenfeld. «Wir haben aber auch die Sorge, dass das Interesse nach Corona abebbt und viele Hunde wieder zurückgegeben werden.»

Wie viele Hunde es im Südwesten gibt, erfasst das Statistische Landesamt nicht. Die Zunahme bei den Hundesteuereinnahmen gibt aber einen Hinweis auf die Entwicklung: Gemeinde und Städte im Ländle nahmen den Angaben nach im vergangenen Jahr aus der Hundesteuer insgesamt 48,0 Millionen Euro ein. 2019 waren es 46,2 Millionen Euro.

Daniela Hubl von der Hundeschule Stuttgart sagte, bei einem solchen Hunde-Führerschein gehe es vor allem ums Rücksichtnehmen und darum, Situationen richtig einzuschätzen. Ähnliche Zertifikate wie der «D.O.Q.-Test» würden schon heute genutzt: «Wer öfter in Berlin Urlaub macht und seinen Hund mitnehmen will, braucht so einen Nachweis», sagte die Inhaberin der Hundeschule.

In fünf Praxisstunden à 90 Minuten und drei Theorie-Blöcken von je zweieinhalb Stunden gehe es unter anderem um Haltung, Pflege und Verhalten beim Gassigehen mit und ohne Leine. Rund 200 Euro koste das plus Gebühren für die Prüfung. Die nehme dann ein extra zugelassener Tierarzt ab.

Hubl würde aber den einen oder anderen Aspekt gerne verschärfen: So müsse man im Moment einen Part zum Freilaufen nicht machen. «Das wird dann zwar vermerkt, hat aber keine Auswirkungen», kritisierte sie.

Auch für die Haltung von gefährlichen Tieren, etwa Schlangen, plant die Koalition einen «Sachkundenachweis». Hier sollen die Halterinnen und Halter ebenso lernen, wie man diese Tiere hält und pflegt.

Das dürfte im Sinne der FDP-Landtagsfraktion sein. Deren tierschutzpolitischer Sprecher Klaus Hoher monierte: «Der geplante Hunde-Führerschein greift zu kurz. Wir müssen den Schutz aller Haustiere im Land stärken und dafür die Sachkunde aller Heimtierhaltender verbessern.» Dabei gelte der Grundsatz «Lenken statt Verbieten». «Anstatt auf Regelungswut müssen wir auf freiwillige Fortbildungsangebote an Heimtierhalter setzen.»

Im Koalitionsvertrag heißt es außerdem, es soll eine Kennzeichnungs-, Registrierungs- und Versicherungspflicht geben. Was steckt da dahinter? In Niedersachsen müssen Hunde schon seit 2011 einen elektronischen Chip tragen und haftpflichtversichert sein. Etwas später kam noch eine zentrale Datenbank hinzu, in der vom Dackel bis zum Dobermann alle Tiere, die älter als sechs Monate sind, angemeldet werden müssen. Ein solches Register ermöglicht es, die Tiere künftig ihren Frauchen und Herrchen zuzuordnen – etwa wenn sie beißen und weglaufen, ohne dass der Besitzer erkennbar ist.

FDP-Politiker Hoher sagte, die Vorteile einer solchen Kennzeichnungs- und Registrierungspflicht gebe es nur, wenn sie EU-weit rechtssicher umgesetzt werde. «Ansonsten wird sie lediglich zu einem grauen Markt führen, der einen wirksamen Tierschutz letztlich nur erschwert.»

Bislang sind nur wenige Hunde strikt erfasst. So gelten beispielsweise American Staffordshire Terrier, Bullterrier und Pit Bull Terrier nach der Polizeiverordnung des Landes grundsätzlich als besonders gefährlich und aggressiv. Sie sind damit als «Kampfhunde» eingestuft. Ihre Halter können aber unter anderem vor einem Polizeihundeführer zeigen, dass dem nicht so sei.

«Gefährlich im Sinn der Verordnung sind auch Hunde, die – unabhängig von ihrer Rasse – bissig sind, in aggressiver oder gefahrdrohender Weise Menschen oder Tiere anspringen oder zum unkontrollierten Hetzen und Reißen von anderen Tieren neigen», heißt es beim Innenministerium weiter.

 

 

 

Weitere Nachrichten

Baugenehmigungen steigen – Baden-Württemberg setzt Zeichen

Die Landesregierung sieht im Anstieg der Baugenehmigungen einen Hoffnungsschimmer. Doch wann werden daraus tatsächlich neue Wohnungen?

Trockenheit setzt neuen Weihnachtsbaumkulturen stark zu

Viele frisch gepflanzte Christbäume kämpfen mit der Trockenheit – doch für die nächste Saison erwartet der Verband noch keine Engpässe.

Es wird herbstlich: Was man zur Kürbissaison in Baden-Württemberg wissen sollte

Sonnenbrand statt Herbstkälte: Die Kürbissaison beginnt früh, der heiße Sommer hat Spuren hinterlassen. Was Kürbisbauern jetzt ernten und was Verbraucher erwartet.

Nach Parkhausbrand in Karlsruhe: Abschleppfirma bringt Autos zu Besitzern

Das Parkhaus in der Karlsruher Amalienstraße ist nach dem Feuer gesperrt. Wie Autobesitzer nun an ihren Wagen gelangen.

Bürger beschweren sich: Gestank in beliebter Bodensee-Stadt gibt Rätsel auf

Seit einiger Zeit klagen Menschen in Friedrichshafen über unangenehme Gerüche in der Nacht. Messungen brachten bisher keine Lösung. Jetzt setzt die Stadt auf die Nasen der Bürger.

Karlsruher Back-Influencerin Sally Özcan verrät Baby-Geschlecht

Die 37-Jährige teilt in einem Video das Geschlecht ihres dritten Kindes und zeigt sich überrascht von ihrem eigenen Bauchgefühl.

Ausstellung in Ludwigsburg: Hier kommen Kürbisfans auf ihre Kosten

Tausende Kürbisse, riesige Figuren - und eine Premiere: In Ludwigsburg startet die Kürbisausstellung. Was Besucher dieses Jahr erwartet.

Partielle Mondfinsternis: Klarer Himmel und Wecker nötig

Ohne Spezialbrille, dafür mit Wecker: Die partielle Mondfinsternis Ende August ist etwas für Frühaufsteher und Fans von Himmelspektakeln. Was man sieht, hängt aber noch von anderen Faktoren ab.

Üble Streiche: Karlsruher Staatsanwaltschaft ermittelt zu Prank-Videos

Aufnahmen von üblen Streichen sorgen im Raum Karlsruhe für Ärger: Mehrere Fälle beschäftigen die Staatsanwaltschaft – darunter ein fingierter Ladendiebstahl im Drogeriemarkt.

Endlich Regen - wer profitiert und wofür ist es zu spät?

Was können ein paar Tage Regen nach langer Trockenheit bewirken? Kommt ganz drauf an, sagen Experten. Mancherorts herrscht Hoffnung und Aufatmen. Für vieles ist es schlicht zu spät.

Bosch startet 2027 Produktion von Robotern im Schwarzwald

Erstmals fertigt Bosch humanoide Roboter in Serie in kleiner Stückzahl. Welche Rolle spielen dabei Bosch-Technologien wie Sensoren und Motoren?

Cyanidhaltiges Gemisch: Gefahrstoff in Kanalisation in Keltern gelangt – Arbeiter in Klinik

Nach Kontakt mit Cyanid musste ein Mitarbeiter ins Krankenhaus. Die Feuerwehr sichert den Bereich, die Ursache des Unfalls wird noch untersucht.




 

Logo meinKA

 

Anzeige

Jetzt meinKA als Werbe-Plattform nutzen!

Informieren Sie sich über Daten, Zahlen und Fakten rund um meinKA und die entsprechenden Werbeformen in unseren Mediadaten: jetzt Mediadaten anfordern.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und beraten Sie gerne!

 


 
















Auch interessant


Falls Ihnen inhaltliche Fehler oder Fehlfunktionen auffallen, einfach bei redaktion@meinka.de melden.