Erinnerungen an Brand im Karlsruher Zoo
Zoofreunde Karlsruhe spenden für Menschenaffenanlage in Krefeld

Erinnerungen an Brand im Karlsruher Zoo Zoofreunde Karlsruhe spenden für Menschenaffenanlage in Krefeld

Quelle: Timo Deible/Zoo Karlsruhe

Die Zoofreunde Karlsruhe spenden 3.000 Euro für den Neubau eines modernen Menschenaffenhauses im Zoo Krefeld. Bei einem schweren Brand in der Silvesternacht war dort das Affenhaus völlig zerstört worden und über 30 Tiere starben in den Flammen.

Zoofreunde Karlsruhe unterstützen Zoo Krefeld

Die Zoofreunde Karlsruhe spenden 3.000 Euro für eine neue Menschenaffenanlage im Krefelder Zoo, darüber informiert die Stadt Karlsruhe in einer Pressemitteilung. Bei einem Brand in der Silvesternacht am 31. Dezember 2019 war dort das Affenhaus völlig zerstört worden, viele Tiere starben, darunter mehrere Orang-Utans und Gorillas sowie ein Schimpanse. Der Zoo Krefeld sowie die Zoofreunde Krefeld sammeln seit der Tragödie Spenden für den schnellen Neubau eines modernen Menschenaffenhauses.

 

Erinnerungen an Brand im Karlsruher Zoo

„Wir haben selbst vor rund zehn Jahren bundesweit viel Hilfe, Solidarität und Spenden erhalten, nachdem es im Zoo Karlsruhe gebrannt hat“, erläutert Gisela Fischer, Vorsitzende der Zoofreunde Karlsruhe. Im Jahr 2010 brannte – vermutlich ausgelöst durch einen technischen Defekt – der Streichelzoo des Karlsruher Zoos völlig nieder. Es starben alle 26 Tiere darin, die Elefanten im angrenzenden Gebäude erlitten durch die übergreifenden Flammen außerdem schwere Brandverletzungen.

„Es war damals furchtbar für uns. Durch das gespendete Geld konnte aber bald wieder ein Streichelzoo an neuer Stelle errichtet werden. Wir sind bis heute äußerst dankbar dafür. Mit dieser Spende möchten wir auch etwas zurückgeben“, betont Fischer. Sie ist sich sicher, dass in Krefeld durch bundesweite Hilfe ein Neuanfang erreicht werden kann.

Neben dem Verlust aller von den Flammen getöteten Tiere in Krefeld sei es besonders schlimm, dass auch hochbedrohte Borneo-Orang-Utans gestorben sind, so Dr. Clemens Becker, Artenschutzkurator im Zoo Karlsruhe, der seit 37 Jahren europaweit das Zuchtbuch für Orang-Utans führt: „Jedes einzelne Tier ist wichtig für den Arterhalt in Menschenhand.“ Die Weltnaturschutzunion IUCN listet die Art seit 2016 als vom Aussterben bedroht (critically endangered).

 

Zoos leisten wichtigen Beitrag zum Artenschutz

„Zoos leisten ganz wichtige Aufgaben im Artenschutz“, so Dr. Matthias Reinschmidt. Der Karlsruher Zoodirektor sieht die modernen, wissenschaftlich geführten Zoos als Zentren für Artenschutz. „Wir versuchen, die Bestände bedrohter Tierarten in den Zoos koordiniert zur Nachzucht zu bringen, gleichzeitig unterstützen wir Projekte in der Natur.“ Über die Artenschutzstiftung Zoo Karlsruhe flossen bereits mehr als 80.000 Euro allein an das Sintang Orangutan Center von Willie Smits in Indonesien.

„Gerade bei so charismatischen Arten wie den Orang-Utans haben wir noch eine kleine Chance, dass sie überleben werden. Die Menschen sind für die massiven Rückgänge der Bestände in der Natur verantwortlich, vor allem durch die Pflanzungen von Palmölplantagen als Monokulturen und dem damit verbundenen Lebensraumverlust für die Menschenaffen. Gleichzeitig sind wir aber auch die letzte Rettung für sie, wenn wir jetzt handeln“, so der Appell des Zoodirektors.

 

Schutz und Zuchtbemühungen gehen Hand in Hand

Solche Schutzmaßnahmen in den Herkunftsländern und die Zuchtbemühungen in den Zoos gehen laut Reinschmidt Hand in Hand: „Wir wissen durch die Erfahrungen von Willie Smits, dass sich die Orang-Utans wieder auswildern lassen. Dafür braucht es aber weit mehr geschützte Gebiete in der Natur.“ So lange gelte es, die Bestände in den Zoos mit einer möglichst hohen genetischen Variabilität zu stärken. Es sei sehr wichtig, dass auch der Zoo Krefeld nach einem Neubau der Anlage wieder in die Erhaltungszucht einsteige.

In Karlsruhe werden durch Becker bislang alle Orang-Utans in europäischen Zoos koordiniert, allerdings keine dieser hochbedrohten Menschenaffen gehalten. „Das werden wir ändern“, sagt Reinschmidt mit Verweis auf den Masterplan, der bereits vor vier Jahren im Gemeinderat verabschiedet wurde. Darin ist eine Asien-Anlage unter anderem mit Sumatra-Tigern und Sumatra-Orang-Utans vorgesehen, die als Arten-Refugium dienen soll.

 

Bewusstsein bei Besuchern wecken

„Neben der Zucht dieser beiden vom Aussterben bedrohten Arten, wecken wir mit der Anlage auch das Bewusstsein bei unseren Besuchern für die Probleme dieser Spezies, die durch den Mensch verursacht werden“, erläutert Reinschmidt. „Wenn die Zoobesucher diese Tiere dann bei uns sehen, muss ihnen klar werden, dass ihre Enkel vielleicht keine Orang-Utans mehr erleben werden, weil wir sie bis dahin ausgerottet haben. Aber dagegen müssen wir gemeinsam mit allen Mitteln ankämpfen.“

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